Einordnung auf einen Blick
- Millionen Haushalte stehen vor dem Wechsel von Kupfer auf Glasfaser
- Der operative Druck verschiebt sich vom Ausbau in die Aktivierung
- Besonders in Mehrfamilienhäusern entstehen komplexe Übergänge zwischen Netz und Nutzung
- Viele Supportkontakte entstehen nicht wegen Störungen, sondern wegen fehlender Orientierung
- Migration wird damit zu einem Service- und Prozessproblem im großen Maßstab
- Geführte Self-Service-Prozesse reduzieren Aufwand und schaffen Orientierung
Der Markt steht vor einer neuen Phase
Der Glasfaserausbau schreitet voran. Gleichzeitig wächst der Druck auf bestehende Kupfernetze. Die Folge: Immer mehr Haushalte müssen in den kommenden Jahren technisch migriert werden.
Die Bundesnetzagentur und zahlreiche Marktteilnehmer diskutieren bereits konkret über die schrittweise Abschaltung kupferbasierter Netze. Parallel beschleunigen regulatorische Änderungen den Ausbau in Mehrfamilienhäusern. Dadurch steigt die Zahl der Haushalte, die gleichzeitig aktiviert, eingerichtet und begleitet werden müssen.
Für Internetanbieter entsteht damit eine neue Realität: Der Engpass liegt nicht mehr primär im Tiefbau. Er entsteht nach dem Anschluss. Genau dort beginnt der eigentliche operative Aufwand.
Die zentrale Herausforderung lautet deshalb nicht mehr nur: „Wie bauen wir schneller aus?“
Sondern: „Wie schaffen wir den Übergang von bestehender Nutzung zu neuer Nutzung möglichst reibungslos?“
Migration ist kein Infrastrukturprojekt
Viele Organisationen betrachten Migration zunächst technisch:
- Anschluss umstellen
- Router austauschen
- Zugang aktivieren
- Tarif migrieren
In der Praxis reicht diese Perspektive nicht aus.
Denn für EndkundInnen bedeutet Migration etwas völlig anderes:
- neue Geräte
- neue Abläufe
- neue Begriffe
- neue Unsicherheiten
Besonders deutlich wird das beim Wechsel von DSL auf Glasfaser.
Viele Haushalte nutzen ihren bisherigen Anschluss seit Jahren unverändert. Der Router funktioniert, das WLAN funktioniert, der Alltag funktioniert. Mit der Migration entsteht plötzlich Veränderungsdruck.
Fragen wie diese sind typisch:
- Muss ich meinen Router wechseln?
- Wann wird umgeschaltet?
- Funktioniert mein Telefon weiterhin?
- Was passiert mit meinem WLAN?
- Wer hilft mir bei Problemen?
Diese Fragen sind selten technisch komplex. Sie entstehen durch fehlende Orientierung. Genau daraus entsteht Serviceaufwand.
Warum Migration in Mehrfamilienhäusern besonders komplex wird
Besonders kritisch wird die Situation in Mehrfamilienhäusern. Genau dort treffen aktuell mehrere Entwicklungen gleichzeitig aufeinander:
- beschleunigter Ausbau
- regulatorischer Druck
- hohe Anzahl paralleler Aktivierungen
- unterschiedliche Zuständigkeiten
Der Übergang zwischen Netz und tatsächlicher Nutzung wird dadurch deutlich komplexer. Denn der Glasfaseranschluss endet technisch häufig im Keller. Die Nutzung beginnt jedoch erst in der Wohnung.
Dazwischen entstehen typische Reibungspunkte:
- Hausverwaltung
- Eigentümergemeinschaften
- MieterInnen
- unterschiedliche Router- und Heimnetz-Situationen
- unklare Zuständigkeiten
Gerade diese Übergänge erzeugen hohen Abstimmungsaufwand.
→ Mehr dazu im Beitrag: Ausbau abgeschlossen – und dann?
Viele Supportanfragen entstehen deshalb nicht wegen technischer Fehler, sondern weil niemand klar vermittelt:
- was bereits passiert ist
- was noch passiert
- wer zuständig ist
- was KundInnen konkret tun müssen

Neue Nutzergruppen verändern den Support
Mit der Migration verändern sich auch die Nutzergruppen.
Nicht alle KundInnen sind technikaffin. Viele erwarten heute vor allem:
- Einfachheit
- Transparenz
- verständliche Prozesse
- sofortige Orientierung
Diese Erwartungshaltung steigt parallel zur Digitalisierung.
Der Widerspruch dabei: Die technische Komplexität nimmt im Hintergrund weiter zu. Router, Mesh-Systeme, Repeater, unterschiedliche Anschlussarten und hybride Heimnetze erhöhen den Erklärungsbedarf deutlich.
Die Folge zeigt sich im Support: Viele Kontakte drehen sich nicht um echte Netzstörungen, sondern um Situationen wie:
- Unsicherheit bei der Einrichtung
- WLAN-Probleme im Heimnetz
- falsche Erwartungen an die Aktivierung
- unklare nächste Schritte
Das deckt sich auch mit Erfahrungen aus bestehenden Self-Service-Projekten. Die M-net hilft App wurde unter anderem eingeführt, um KundInnen bei Heimnetz- und WLAN-Themen besser zu unterstützen und gleichzeitig Serviceprozesse effizienter zu gestalten.
Warum das Anfragevolumen massiv steigen wird
Migration skaliert nicht linear. Wenn Millionen Haushalte gleichzeitig wechseln müssen, entstehen enorme operative Lastspitzen.
Besonders kritisch: Viele dieser Kontakte sind vermeidbar. Nicht weil KundInnen „falsche Fragen“ stellen, sondern weil der Prozess selbst keine ausreichende Führung bietet.
Das zeigt sich häufig an typischen Mustern:
- wiederholte Rückfragen
- unnötige Hotline-Kontakte
- lange Abstimmungsschleifen
- hohe Belastung im First Level
- eskalierende Einzelfälle
Der eigentliche Aufwand entsteht dabei oft nicht durch die technische Lösung, sondern durch die fehlende Struktur davor.
Das eigentliche Problem: fehlende Begleitung
Viele Anbieter investieren stark in:
- Ausbau
- Infrastruktur
- CRM-Systeme
- Ticketing
- Netztechnik
Die Phase zwischen Vertragsabschluss und aktiver Nutzung bleibt dagegen häufig fragmentiert.
Typische Realität:
- Informationen liegen verteilt in PDFs, Mails und Portalen
- Prozesse sind nicht durchgängig geführt
- KundInnen müssen selbst interpretieren, was zu tun ist
Dadurch entsteht hoher Customer Effort.
Und genau dieser Aufwand entscheidet darüber:
- wie schnell Anschlüsse aktiviert werden
- wie viele Kontakte im Support entstehen
- wie stabil Migration operativ funktioniert
→ Warum Glasfaser-Aktivierung über den Erfolg von Ausbauprojekten entscheidet
„Wir haben bereits ein Ticketsystem“ löst das Problem nicht
Ein häufiger Einwand lautet: „Wir haben bereits ein Ticketsystem.“ Das Problem dabei: Ein Ticketsystem organisiert Vorgänge. Es führt keine KundInnen durch den Prozess. Migration erzeugt vor allem Orientierungsbedarf.
Deshalb entsteht zusätzlicher Aufwand häufig genau zwischen:
- Aktivierung
- Einrichtung
- Support
- Rückmeldung
- Übergabe
Entscheidend wird deshalb die Verbindung zwischen:
- Kundensicht
- Prozessstatus
- technischem Kontext
- Supportsystemen
Hier entsteht die eigentliche operative Lücke. Self-Service ersetzt dabei kein Ticketsystem. Self-Service sorgt dafür, dass Tickets sinnvoll vorbereitet, kontextualisiert und strukturiert übergeben werden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Vorgangsnummern
- Statusinformationen
- bereits durchgeführte Schritte
- Vorqualifizierung von Problemen
Dadurch reduziert sich nicht nur der Aufwand für KundInnen, sondern auch für Service-Teams.

Warum geführter Self-Service bei Migration relevant wird
Migration braucht Prozessführung. Genau hier setzen geführte Self-Service-Prozesse an. Der Unterschied zu klassischen FAQ-Ansätzen: KundInnen erhalten nicht nur Informationen. Sie werden Schritt für Schritt durch konkrete Situationen geführt.
Wichtige Elemente dabei:
- verständliche Aktivierungsprozesse
- Router-Ersteinrichtung
- WLAN-Unterstützung
- Status- und Kontextinformationen
- klare nächste Schritte
→ Warum die Router-Ersteinrichtung einer der kritischsten Service-Momente ist
→ Best Effort im Kundenservice
Besonders relevant wird dabei ein Gedanke: Migration ist kein einmaliger technischer Vorgang. Migration ist ein geführter Übergang.
Fazit: Der Erfolg der Migration entscheidet sich im Service
Der Glasfasermarkt bewegt sich in eine neue Phase. Ausbau allein reicht nicht mehr aus.
Der eigentliche operative Druck entsteht dort, wo Millionen Haushalte gleichzeitig:
- wechseln
- eingerichtet werden
- aktiviert werden
- Orientierung benötigen
Genau deshalb wird Migration zunehmend zum Service-Thema.
Die entscheidende Frage lautet künftig nicht nur: „Wie viele Anschlüsse wurden gebaut?“
Sondern: „Wie viele Haushalte nutzen den Anschluss tatsächlich – und mit welchem Aufwand?“
An diesem Punkt entscheidet sich, ob Migration kontrolliert skaliert oder im Support eskaliert. Die Rolle strukturierter, geführter Self-Service-Prozesse wird dadurch deutlich wichtiger: als verbindende Ebene zwischen Netz, Prozess und tatsächlicher Nutzung.
Der Markt bewegt sich damit weg von reiner Infrastruktur-Logik – hin zu Aktivierungs- und Service-Logik.






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